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Minutentest für barrierefreie PDF-Dokumente (PAC, Teil 1)

10.05.2011 17:45Autor: Markus ErleKommentare: 0

PDF-Dokumente mit Hilfe des PDF Accessibility Checker (PAC) schnell und einfach auf Barrierefreiheit prüfen

Executive Summary

Für wen?

  • Entscheider und Auftraggeber, die wenig Vorwissen zu PDF und Barrierefreiheit haben, aber einen guten ersten Eindruck von dem Ausmaß der Barrierefreiheit eines PDF-Dokumentes möglichst auf Knopfdruck bekommen wollen
  • Für alle, die mal schnell ein barrierefreies PDF testen wollen

Uhr mit hervorgehobener 1 Minute © so47 - Fotolia.comWorum geht es?

Hier lernen Sie, mit Hilfe der Ergebnisübersicht des kostenlosen PDF Accessibility Checker (PAC) das Ausmaß der Barrierefreiheit eines PDF-Dokumentes in einer Minute einzuschätzen. Die Beispiele konkreter Ergebnisübersichten liefern Ihnen einen guten Vergleichsmaßstab.

Kernaussagen

  • Bereits ein rotes Kreuz kann ein Dokument unzugänglich für einige Nutzer machen
  • Fehler auf der linken Seite der Ergebnisübersicht: leicht zu beheben, hier dürfte kein rotes Kreuz mehr auftauchen.
  • Achten Sie hier besonders auch auf Warnungen bei den Prüfkriterien „Konsistente Gliederung“ und „Lesezeichen vorhanden“.
  • Fehler auf der rechten Seite der Ergebnisübersicht: komplexere Probleme, die sich oft nur durch ein aufwändiges Nacharbeiten des Tag-Baums oder des Originaldokumentes beheben lassen.
  • Wenn PAC in der Ergebnisübersicht keine Mängel anzeigt, dann haben Sie bereits eine gute Grundlage für ein barrierefreies Dokument.
  • Für ein definitives Urteil reicht der Minutentest nicht aus. Prüfen Sie das Dokument ergänzend mit der PAC-Vorschaufunktion und/oder im Rahmen eines Praxistestes mit einem Vorleseprogramm.

Schwierige Begriffe schnell erklärt

Begriff

Erklärung

Assistive Technologien

Assistive Technolgien sind technische Hilfsmittel, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, digitale Inhalte an ihre Bedürfnisse anzupassen.

Ein Vorleseprogramm für Blinde – oft auch als Screenreader bezeichnet – oder eine Braillezeile sind Beispiele für assistive Technologien.

Anderes Wort dafür: Hilfsmittel

ISO 32000-1

PDF ist ein ISO-Standard. ISO 32000-1 ist die aktuelle Version dieses Standards basierend auf PDF 1.7. In diesem Standard ist auch festgelegt, welche PDF-Tags es gibt und wie man sie verwenden muss.

Tags

Tags sind unsichtbare Strukturinformationen, die man wie Etiketten an Inhaltselemente „kleben“ kann. Man spricht dann von semantischer Auszeichnung. „Semantisch“ deswegen, weil diese Etiketten den Bedeutungsgehalt von Inhaltselementen vermitteln.

Tags sind wichtig, damit Inhalte maschinenlesbar sind. Maschinenlesbare Inhalte sind eine wichtige Voraussetzung für assistive Technologien und damit für die Barrierefreiheit digitaler Inhalte.

Anderes Wort dafür: Strukturinformationen, „Etiketten“

Tag-Baum

Alle Tags eines Dokumentes zusammen bilden einen hierarchisch gegliederten Baum mit einer eindeutigen logischen Reihenfolge.

Anderes Wort dafür: Struktur-Baum, Strukturansicht

Viewer

Als Viewer werden Programme bezeichnet, die man zum Anzeigen eines bestimmten Dateiformats verwendet. Adobe Reader ist der bekannteste Viewer für PDF-Dokumente.

W3C

Steht für: World Wide Web Consortium

Das W3C ist ein Gremium, das Standards und Richtlinien für Inhalte und Techniken des World Wide Web entwickelt. Innerhalb des W3C gibt es eine Arbeitsgruppe für Barrierefreiheit, die WAI (Web Accessibility Initiative).

Die WCAG 2.0 wurden vom W3C verfasst.

Über das W3C

WCAG 2.0

Steht für: Web Content Accessibility Guidelines 2.0

Richtlinien für barrierefreie Webinhalte, die weltweit gelten und formatübergreifend formuliert sind. Das heißt, sie lassen sich auf PDF ebenso anwenden wie auf HTML.

Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) 2.0 (Deutsche Übersetzung)

Schnelltest mit dem PDF Accessibility Checker (PAC)

Ein wichtiger Punkt vorneweg: das Ergebnis eines Minutentests kann kein vollständiges Bild über die Barrierefreiheit eines PDF-Dokumentes geben. Eine sorgfältige Prüfung eines PDF-Dokumentes auf Barrierefreiheit ist jedoch zeitaufwändig, da man viel von Hand prüfen muss.

Trotzdem gibt es viele Situationen, in denen ein möglichst aussagekräftiger Minutentest sehr hilfreich sein kann. Wenn man nur eine Minute in die Beurteilung der Barrierefreiheit investieren kann oder will, dann kann man nur auf eine automatische Prüfung setzen. Aus diesem Grund eröffnen wir unsere Serie zur Qualitätssicherung mit einem Schnelltest. Wir greifen dazu auf das kostenlose Prüfprogramm PAC (PDF Accessibility Checker) in der Version 1.2 zurück.

Übersichtliche Startansicht des PDF Accessibility Checkers 1.2

Von allen verfügbaren automatischen Prüfungen deckt PAC 1.2 die meisten Anforderungen ab und wird vom W3C für die Prüfung von PDF-Dokumenten nach der WCAG 2.0 als Werkzeug empfohlen (WCAG 2.0 PDF Techniques). Außerdem ist die Ergebnisansicht der aktuellen PAC-Version 1.2 so optimiert, dass man sehr schnell einen optischen Eindruck über das Ausmaß der Barrierefreiheit eines Dokumentes erhalten kann. Das wollen wir uns zunutze machen.

Warum nicht die vollständige Ausgabehilfe-Prüfung in Acrobat?

Nicht jeder Tester hat eine Acrobat Pro-Version zur Verfügung. Außerdem werden zentrale Anforderungen nicht getestet - beispielsweise ob Überschriften oder Lesezeichen vorhanden sind.

Warum dann nicht die schnelle Ausgabehilfeprüfung, die in jedem Adobe Reader zur Verfügung steht?

Weil sie ziemlich nichtssagend ist: sie testet nur, ob das Dokument überhaupt entnehmbaren Text und Tags (unsichtbare Strukturinformationen) enthält. Für eine qualitative Aussage ist das aber eindeutig zu wenig.

Der Schnelltest im Reader dient besonders blinden Nutzern als Hilfsmittel, um herauszufinden, ob ein PDF-Dokument überhaupt getagged ist oder nicht, da er sehr leicht über Tastatur aufrufbar ist.

Der erste Schritt – Voraussetzungen für das Verwenden des Programmes

PAC ist ein separates kleines Programm, das nicht installiert werden muss, sondern einfach nur aufgerufen werden kann. Acrobat ist dazu nicht notwendig. Notwendig sind aber:

Unter Windows (Windows XP, Vista oder 7)

Quasi das, was sowieso schon fast jeder auf dem Rechner hat

  • ein aktueller Adobe® Reader: ab Version 8
  • ein aktueller Browser: aktuell ist für uns ab Mozilla Firefox 3, ab Internet Explorer 6 (Stop! Ich möchte hier hervorheben, dass der IE 6 auf gar keinen Fall als aktuell anzusehen ist, PAC funktioniert hier aber trotzdem), oder Google Chrome

Plus eine spezielle Voraussetzung

  • Microsoft .NET Framework ab Version 2.0 SP2: Das gibt es kostenlos im Microsoft Download Center. Bei Windows Vista und 7 gehört es im Normalfall zur Standardausstattung.

Anleitung

Hilfreiche Hinweise zum Einrichten und Verwenden von PAC finden Sie in der Kurzanleitung bei der Stiftung Zugang für alle.

Unter Mac (getestet unter Mac OS X 10.5 und 10.6)

PAC läuft auch unter Mac. Zusätzlich zu einer aktuellen Adobe Reader Version und zu einem aktuellen Browser benötigen Sie dazu:

  • X11
  • Mono
  • Keine Angst davor, das Programm vom Terminal aus zu starten

Anleitung

In einem Blogeintrag des Access-for-All-Blog finden Sie eine genaue Anleitung, wie Sie bei der Installation der Zusatzprogramme und beim Starten von PAC vorgehen müssen.

Unter Linux

Ja, auch unter Linux kann man mit PAC PDF-Dokumente testen. Petra Ritter hat dazu etwas in den Kommentaren zu oben genanntem Blogeintrag geschrieben.

3 Prüfergebnisse von PAC

Die 3 Ergebnisansichten in PAC

Die 3 Ergebnisansichten in PAC (von links nach rechts): die Ergebnisübersicht, die Vorschau, der Detailbericht

PAC präsentiert das Ergebnis seiner Prüfung in 3 Ansichten:

  1. die Ergebnisübersicht: gibt zu jedem der 14 Prüfkriterien eine summarische Rückmeldung über ein eindeutiges Symbol.
  2. die Vorschau: zeigt eine optische Ansicht dessen, was ein Vorleseprogramm wiedergeben würde. Wenn im Dokument beispielsweise keine Tags vorhanden sind, dann ist die Vorschau konsequenterweise auch leer. In der Vorschau kann man sehr gut die unsichtbaren Strukturinformationen (Tags) erkennen.
  3. der Detailbericht: liefert zu jedem der 14 Prüfkriterien eine detaillierte Rückmeldung mit den Anzahl der jeweiligen Fehler und Hinweisen, wo genau sich diese befinden.

Für den schnellen Test schauen wir nur auf die Ergebnisübersicht und stellen typische Prüfergebnisse vor. Die anderen beiden Ergebnisansichten greifen wir in späteren Folgen unserer Serie auf.

Die Ergebnisübersicht

Die 14 Prüfkriterien

Wir versuchen hier die einzelnen Prüfkriterien vom Nutzer ausgehend kurz und knapp auf den Punkt zu bringen und aufzuzeigen, wozu die jeweilige Eigenschaft notwendig ist.

Eine ausführlichere Darstellung der 14 Checkpunkte mit einer Zuordnung zu den entsprechenden Richtlinien der WCAG 2.0 und der ISO 32100-1 finden Sie in der folgenden PDF-Datei:
PDF Accessibility Checker‘s Prüfungskriterien (PDF, 40 KB)

Die linke Seite

Ausschnitt aus der PAC Ergebnisübersicht: die 7 Prüfkriterien der linken SeiteDie Prüfkriterien auf der linken Seite sind im Allgemeinen einfach zu beheben. Oft genügt es, einen Haken zu setzen oder das Problem mit den richtigen Werkzeugen auf Knopfdruck zu lösen - natürlich immer vorausgesetzt das Dokument hat einen korrekten Struktur-Baum.

Auf der linken Seite dürften keine roten Kreuze auftauchen, wenn es sich um ein barrierefreies PDF handeln soll.

  • Dokument als getagged markiert
    Diese Markierung ist notwendig, damit einige Viewer oder assistive Technologien das Dokument als ein PDF mit Tags erkennen können.
  • Dokumenttitel vorhanden
    Der Dokumenttitel als Fenstertitel hilft dem Nutzer, schnell zu erkennen, in welchem Dokument er sich befindet.
  • Dokumentsprache definiert
    Die definierte Grundsprache eines Dokumentes ermöglicht, dass ein Vorleseprogramm die korrekte Aussprache verwendet.
  • Zulässige Sicherheitseinstellungen
    Sind die Sicherheitseinstellungen eines PDF-Dokuments zu restriktiv, können Nutzer von assistiven Technologien wie beispielsweise eines Vorleseprogrammes nicht auf die Inhalte eines Dokumentes zugreifen.
  • Tab folgt Dokumentstruktur
    Diese Einstellung stellt sicher, dass der Nutzer die Informationen konsistent in der gleichen Reihenfolge wie in der Dokumenstruktur antrifft, wenn er mit der Tab-Taste sequenziell durch das PDF-Dokument navigiert.
  • Dokument konsistent gegliedert
    Eine konsistente Gliederung in Form von hierarchisch korrekt aufgebauten Überschriften und Zwischenüberschriften erleichtert allen Nutzern die Orientierung, das schnelle Querlesen und das Navigieren.
  • Lesezeichen vorhanden
    Lesezeichen vereinfachen dem Nutzer das Navigieren durch das PDF-Dokument. Sie dienen ihm als interaktives Inhaltsverzeichnis und Menüleiste.

Die rechte Seite

Ausschnitt aus der PAC Ergebnisübersicht: die 7 Prüfkriterien der rechten SeiteDie Prüfkriterien auf der rechten Seite beziehen sich auf komplexere Probleme, die meistens eine aufwändige Korrektur am Tag-Baum oder am Originaldokument notwendig machen.

Wenn hier rote Kreuze auftauchen, dann muss natürlich nachgebessert oder durch einen ergänzenden Praxistest überprüft werden, ob es sich bei den Fehlern um tatsächliche Barrieren handelt.

  • Zugängliche Zeichencodierungen
    Dies garantiert, dass alle im Dokument verwendeten Zeichen eindeutig interpretiert werden können. Dies ist wichtig für Vorleseprogramme oder das Speichern des PDF-Dokumentes in anderen Formaten.
  • Inhalt nicht vollständig getagged
    Alle Inhaltselemente ohne Tags können von assistiven Technologien nicht oder nicht richtig erkannt werden.
  • Logische Lesereihenfolge
    Die logische Lesereihenfolge bestimmt, in welcher Abfolge assistive Technologien die Inhalte wiedergeben. Ist sie nicht korrekt, liest ein Vorleseprogramm den Text in der falschen Reihenfolge vor.
  • Alternativtexte vorhanden
    Dies gewährleistet, dass Nicht-Text-Inhalte, wie zum Beispiel Bilder, auch von blinden Nutzern wahrgenommen werden können.
  • Korrekte Syntax / Rollen
    Im ISO-Standard 32000-1 ist festgelegt, welche Strukturelemente man wie in einem PDF verwenden darf. Diese Standardisierung ermöglicht Viewern und assistiven Technologien die korrekte Wiedergabe von Inhalten und Strukturinformationen.
  • Ausreichend Kontrast bei Text
    Viele Nutzer mit Seheinschränkungen sind darauf angewiesen, dass bestimmte Kontrastwerte bei der Auswahl von Schrift- und Hintergrundfarbe nicht unterschritten werden.
  • Leerzeichen vorhanden
    Manche Programme erstellen PDF-Dokumente ohne Leerzeichen zwischen den Wörtern. Dies führt bei assistiven Technologien zu einer falschen, schwer oder gar nicht verständlichen Wiedergabe der Inhalte.

Die 3 Ergebnissymbole

Symbol

Erklärung

Grüner Haken

Der grüne Haken signalisiert, dass alles in Ordnung ist in Bezug auf das entsprechende Prüfkriterium.

Gelbes Warn-Schild

Das gelbe Warn-Schild spricht eine Warnung aus, dass es sich hier eventuell um eine Barriere handeln könnte. Es ist mit der Aufforderung verbunden, nochmals genau zu prüfen, ob dies vom Ersteller auch so gedacht ist und den Fehler eventuell zu beheben.

Rotes Kreuz

Das Rote Kreuz zeigt an, dass es sich hier um einen gravierenden Fehler handelt, der behoben werden muss. Sollte dies nicht möglich sein, so muss unbedingt über einen Praxistest geprüft werden, ob dadurch das Dokument unzugänglich wird.

Denn: Ein gravierender Fehler kann schon eine unüberwindbare Barriere für bestimmte Nutzer bedeuten!

Der Minutentest

Prüfung in 3 einfachen Schritten durchführen

  • PAC starten
  • Die zu prüfende Datei über „Durchsuchen“ auswählen und „Prüfen starten“ klicken
  • Die Barrierefreiheit anhand der Ergebnisübersicht einschätzen

Das Praxisbeispiel - eine Datei in 4 Varianten

Als erste Hinweise, wie eine Ergebnisübersicht einzuschätzen ist, nehmen wir eine PDF-Datei und erstellen 4 Varianten:

  1. ein PDF ganz ohne Tags
  2. ein PDF ohne Tags, aber mit allem, was man ohne Tags machen kann
  3. ein PDF mit schlechten Tags (alles nur als einfachen Textabsatz P ausgezeichnet sowie ein Bild mit Alternativtext)
  4. ein PDF mit guten Tags

Als Beispieldatei diente uns ein Flyer des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Das PDF-Dokument ist so aufgeteilt, dass die Seitenreihenfolge stimmt: zuerst die Titelseite, dann die Innenseiten 2 bis 4 und dann die Rückseiten 5 und 6.

Das Beispieldokument im Überblick mit allen Seiten.

Übrigens

Sie können unsere Beispiel sehr gut nachvollziehen, indem Sie die Prüfungen mit den Beispieldateien selbst durchführen.

1. PDF ganz ohne Tags

Getestete Datei: ein PDF-Dokument, das nicht weiter bearbeitet wurde.

PDF-Datei ohne Tags

PAC Ergebnisübersicht: fast nur rote Kreuze, 2 Ausnahmen: ein grüner Haken bei "Sicherheitseinstellung" und ein gelbes Warn-Schild bei "Lesezeichen vorhanden"

Die Ergebnisübersicht zeigt viele gravierende Fehler in Form der roten Kreuze. Typisch ist, dass ein nicht bearbeitetes PDF eine korrekte Sicherheitseinstellung aufweist, weil schlicht und ergreifend keine vorgenommen wurde. Die Warnung beim Kriterium „Lesezeichen vorhanden“ bedeutet, dass das Dokument keine Lesezeichen aufweist. Hier gibt es nie ein rotes Kreuz.

Einschätzung: Das Dokument ist nicht barrierefrei.

2. PDF ohne Tags aber mit allen Anforderungen, die sich ohne Tags erfüllen lassen

Getestete Datei: Das PDF-Dokument wurde so weit bearbeitet, dass es Lesezeichen, einen Dokumenttitel und eine definierte Grundsprache aufweist. Tags wurden keine angelegt.

PAC Ergebnisübersicht: 4 grüne Kreuze auf der linken Seite, ansonsten nur rote Kreuze.

Die Ergebnisübersicht zeigt bei all denjenigen Prüfkriterien rote Kreuze, die von den Tags abhängen. Bei so einem Dokument fehlt das Grundgerüst für die Barrierefreiheit: der Tag-Baum mit den Strukturinformationen.

Einschätzung: Das Dokument ist nicht barrierefrei.

3. PDF mit schlechten Tags (alles nur als einfachen Textabsatz P ausgezeichnet)

Getestete Datei: In dem PDF-Dokument aus 2. wurden Tags angelegt, aber nur P-Tags, die keine weiteren Strukturinformationen vermitteln und ein Figure-Tag für das Logo. Überschriften sind damit nicht maschinenlesbar und damit auch für assistive Technologien nicht zu erkennen.

PDF-Datei mit P-Tags und einem Figure-Tag

PAC Ergebnisübersicht: fast nur grüne Kreuze, 2 Ausnahmen: ein gelbes Warn-Schild bei "Konsistente Gliederung" und ein rotes Kreuz bei "Korrekte Syntax von Tags / Rollen"

Die Ergebnisübersicht zeigt nur ein rotes Kreuz und 1 gelbes Warn-Schild. Auf den ersten Blick wirkt das Prüfergebnis gar nicht so schlecht. Die Kombination des roten Kreuzes bei „Korrekte Syntax von Tags / Rolle“ und des Warn-Schildes bei „Konsistente Gliederung“ legt jedoch die Vermutung nahe, dass der vorhandene Tag-Baum gravierende Fehler aufweist.

Einschätzung: Das Dokument ist nicht barrierefrei.

Als kleine Randnotiz kann man hier erwähnen, dass dieses Dokument mit den schlechten Tags bei der vollständigen Ausgabehilfe-Prüfung in Acrobat Professional zum Ergebnis „Es wurden keine Probleme in diesem Dokument gefunden“ führt. Sie erhalten auf diesem Weg also keine Hinweise, dass ihr Dokument schlechte Tags aufweist und keine maschinenlesbare Überschriften enthält.

Die vollständige Ausgabehilfe-Prüfung in Acrobat Professional meldet zur PDF-Datei mit schlechten Tags: „Es wurden keine Probleme in diesem Dokument gefunden“

Das PDF-Dokument mit den schlechten Tags schneidet in der vollständigen Ausgabehilfe-Prüfung in Acrobat Professional zu gut ab. Wir erhalten keinen Hinweis darauf, dass es weder Überschriften-Tags noch andere Barrieren enthält.

4. PDF mit guten Tags

Getestete Datei: PDF-Dokument mit korrektem Tag-Baum.

PDF-Datei mit korrektem Tag-Baum. Überschriften-Tags H1, H2 und H3 sind zu erkennen.

PAC Ergebnisübersicht: nur grüne Kreuze.

In der Ergebnisübersicht weist das Dokument keine Fehler auf.

Einschätzung: Das Dokument bildet eine gute Grundlage für ein barrierefreies Dokument.

Fazit

Auch ohne viel Vorwissen und ohne viel Zeit lässt sich mit PAC ein schneller Barrierefreiheitstest bei PDF-Dokumenten durchführen, der einen ersten guten Eindruck zum vorhandenen Ausmaß der Barrierefreiheit liefert. Kritische Punkte wie fehlende Überschriften oder falsch verwendete Tags werden so gefunden. Ein Tester erhält Anhaltspunkte für Rückfragen an den Ersteller oder Dienstleister.

Für eine tiefergehende Prüfung ist jedoch ein genauer Blick auf den Ergebnisbericht oder eine Betrachtung des Dokumentes mit Hilfe der Vorschaufunktion notwendig. Dazu sind jedoch zumindest grundlegende Kenntnisse über das Arbeiten mit PDF-Tags notwendig. Ebenso kann es notwendig sein, einen Praxistest durchzuführen, um das Barrierepotenzial gefundener Fehler genauer einschätzen zu können.

PAC reizt die technische Überprüfbarkeit schon ziemlich aus. Es liegt jedoch in der Natur der Barrierefreiheit, dass sich nicht alle Anforderungen technisch überprüfen lassen. Wenn PAC jedoch keine Mängel mehr anzeigt, die eine Barriere bedeuten, dann haben Sie bereits eine gute Grundlage für ein barrierefreies Dokument.

Die weiteren Teile der Serie

  • Prüfen mit PAC, Teil 2: Sehen, was andere hören - die Screenreadervorschau
  • Barrierefreiheit
  • PAC
  • PDF
  • Qualitätssicherung

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